THE MORTUARY COLLECTION (2019)

THE MORTUARY COLLECTION (2019) Regie: Ryan Spindell Ein herrlich gruseliger Bestatter führt uns in dieser Anthologie durch sein nicht minder gruseliges Anwesen und im Stile des Cryptkeepers durch fünf abstoßende und gleichermaßen unterhaltsame Episoden. Wenigstens bleibt keine böse Tat ungesühnt. Oder etwa doch? Ich habe allergrößten Respekt vor Regisseur Ryan Spindell. Es ist gewiss eine immense Herausforderung, sich der Öffentlichkeit zu stellen und eines der angeblich peinlichsten Dinge überhaupt zu tun: um Geld zu bitten. Dabei haben so viele Unbefugte und vor allem Unbegabte die Finger in unseren Taschen, da sollten sich Künstler*innen auf keinen Fall davor scheuen, Unterstützer*innen zu suchen. Und genau das hat Spindell getan. Seine Kickstarter-Kampagne hat schlussendlich den Kurzfilm THE BABYSITTER MURDERS (2015) möglich gemacht. (Der Titel kommt euch bekannt vor? Kein Wunder! John Carpenters Kultklassiker HALLOWEEN (1978) hätte ursprünglich so heißen sollen.) Aus dem Konzept des erfolgreichen Kurzfilms wurde schlussendlich eine Episode der Anthologie. Vom Kurzfilm zum Spielfilm ist ein Weg, den viele junge und ambitionierte Regisseur*innen erfolgreich beschreiten. THE MORTUARY COLLECTION ist keinesfalls das, was ich befürchtet hatte. Das Filmplakat wirkt so verspielt und der Vorspann kommt derart verträumt niedlich rüber, dass ich den Film beinah sofort wieder abgedreht hätte. Zum Glück habe ich das nicht getan. Wir haben es hier nicht mit einem Möchtegern-Tim-Burton zu tun, der uns ein liebliches Märchenbuch für Erwachsene mit einigen wenigen Blutstropfen und dafür einer klischeetriefenden Portion Fantasy ganz oben auf den Stapel ungelesener Bücher legen will. Und dieser Film ist bis auf geschickt gesetzte, märchenhafte Ausnahmen auch weder verspielt noch niedlich. Statt popcornbunt ist er blutrot und statt verträumter „hach, das war aber gruselig“ Unterhaltung bietet er eine gehörige Portion wahrhaftig Ungemütliches mit einer schmackhaften Provokationsbeilage. Dass THE MORTUARY COLLECTION weitgehend auf ein seelenloses CGI-Gewitter verzichtet und stattdessen mit charmant altmodischen und handgemachten Effekten um die Gruselhausecke kriecht, überzeugt mich ebenfalls. Einigen der handelnden Figuren fehlt es vielleicht etwas an emotionaler Tiefe, dennoch verkommt die Anthologie nicht zum Horrorplanschbecken. Leider ist mir das Ganze unterm Strich doch etwas zu viel Verneigung vor dem Genre und Kniefall vor den Altmeistern. Spindell hat garantiert verdammt viel erschreckend Eigenständiges auf dem Kasten (und vielleicht sogar schon im Kasten) und ich freue mich jetzt schon darauf. Den mahnend erhobenen brechtschen Zeigefinger kann ich allerdings im Theater schon nicht mehr sehen und ich genieße auch meine Horrorfilme lieber zwangsmoralbefreit. Wobei dieses verbindende Element der Geschichten sicher ebenfalls dem Geiste der geglückten Hommage geschuldet ist.



THE MORTUARY COLLECTION is not at all what I had feared. The movie poster looks so playful and the opening credits come across as so dreamily cute that I almost turned the movie off right away. Fortunately, I didn't. We're not dealing with a Tim Burton wannabe who wants to put a lovely fairy tale book for adults with a few drops of blood and a cliché-ridden dose of fantasy on top of the pile of unread books. And this film, with a few cleverly placed fairy-tale exceptions, is neither playful nor cute. Instead of popcorn-colored, it's blood-red, and instead of dreamy "gee, that was scary" entertainment, it offers truly uncomfortable situations with a tasty side dish of provocation. Some of the acting characters may lack a bit of emotional depth, yet the anthology doesn't degenerate into a horror splash pool. Go for it!




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