OXYGEN (2021)

OXYGEN (2021) Regie: Alexandre Aja Eine Frau erwacht in einer kryogenen Kammer. Sie hat keine Ahnung, wer sie überhaupt ist oder was sie in diese Lage gebracht hat, aber eines weiß sie: Sie ist in dieser Kammer gefangen und ihr geht der Sauerstoff aus. ***** Alexandre Aja. Wenn ich diesen Namen höre, leuchten meine Augen und mein Herz schlägt schneller, denn genau dieser Kerl hat auch mir schon einmal den Sauerstoff, oder besser gesagt den Atem, geraubt. Hashtag Liebe, hach. Hand aufs Herz, dass mich öffentliche Toiletten dazu bringen, den Atem anzuhalten, bis ich beinah ohnmächtig werde, habe ich ein klein wenig ihm zu verdanken. Also, danke! Und nein, damit meine ich in diesem speziellen Fall nicht, dass ich der Geruchsbelästigung durch körperliche Selbstaufopferung zu entgehen versuche. Ich denke an HIGH TENSION (2003) und daran, dass für mich kaum ein Film seinem Namen derart gerecht wird. Vielleicht ist HIGH TENSION nicht das intellektuelle Flaggschiff des französischen Terror-Kinos, aber er macht das abstrakte Konstrukt Spannung so greifbar, dass man fast reinbeißen kann wie in eine verdammte Tischkante. Auch OXYGEN ist beklemmend, verstörend und vor allem desillusionierend. Der extrem beengte, konkrete Raum, der eigentlich auch keinen Handlungsspielraum lässt, engt das Narrativ keinesfalls ein, sondern öffnet der Erinnerung Tür und Tor, reicht bis hinein in eine sehr persönliche Vergangenheit mit anrührenden und intimen Details. Wir liegen mit dieser Frau in dieser Kammer und Regisseur Alexandre Aja sitzt auf unserer Brust, weil seine geschickte Dramaturgie die vierte Wand durchbricht und die Klaustrophobie unsere Wohnzimmer heimsucht. Und wieder … raubt er mir den Atem. Escape Room mal anders. Vom ersten Moment an begibt man sich auf Spurensuche. Man will verstehen, aufklären, weiterkommen und dennoch ist man dazu verdammt, ausnahmslos durch die Sinne der Protagonistin wahrzunehmen. Durch diese verschärfte Egoperspektive wissen wir nur, was sie weiß. Ihre Erfahrung wird zu unserer Erfahrung, ihre Erinnerung zu unserer Erinnerung. Für mich sind dieser cineastischen Sinneserfahrung aber Grenzen gesetzt. Ich sehe, ich höre … aber ich fühle es nicht. Die Figur, durch die ich wohl nicht nur lernen, sondern auch leiden soll, bleibt für mich auf seltsame Weise unnahbar. Dabei ist Melanie Laurent in dieser filmtragenden Rolle sympathisch und weitgehend authentisch. Was mich zu der Annahme führt, dass ich vielleicht gar nicht mit ihr fühlen, sondern doch viel eher das Szenario, das von den hypnotischen Bildern gleichermaßen verwoben und doch vorangetrieben wird, als solches durchleben soll. Dass recht bald klar ist, was der Schmäh (wie man in Wien so schön sagt) an der Sache ist, trägt nicht gerade dazu bei, dass Spannung aufgebaut und vor allem gehalten wird. Die finale Wendung kommt dann zwar doch eher unerwartet, aber dieser Kniff hat nicht ausgereicht, um mich noch zu überraschen. Da Identifikation und Spannungsbogen weitgehend auf der Strecke bleiben, bin ich zwar durchaus angetan und nicke wohlwollend, aber begeistert schaut tatsächlich anders aus. Wenn ich begeistert bin, bin ich gefesselt und dann kann ich nicht einmal mehr nicken.



***** The extremely confined, concrete space, which actually also leaves no room for maneuver, does not narrow the narrative at all, but opens the door to memory, reaching into a very personal past with touching and intimate details. We lie with this woman in this chamber and director Alexandre Aja sits on our chest, because his clever dramaturgy breaks the fourth wall and claustrophobia haunts our living rooms.

From the very first moment, you start searching for clues. One wants to understand, to clarify, to get ahead. But through this intensified first-person perspective, we only know what the protagonist knows. Her experience becomes our experience, her memory our memory. For me, however, there are limits to this cinematic sensory experience. I see, I hear ... but I don't feel it. The character, through whom I am supposed to not only learn but also suffer, remains for me in a strange way unapproachable.




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