CAT SICK BLUES (2015)

CAT SICK BLUES (2015) Regie: Dave Jackson Teds Herz ist gebrochen, denn er hat seinen geliebten Kater verloren. Zum Glück ist dort, wo ein Wille ist, meist auch ein Weg und Ted weiß einfach: Wenn er neun Menschen tötet, kann die so schmerzhaft vermisste Fellnase zu ihm zurückkehren.

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Man muss mich nicht besonders gut kennen, um bereits vorweg zu erraten, dass man an dieser Stelle keine objektive Besprechung erwarten kann. Eine Katze, ein Serienmörder, die Gerüchte, die durch das Netz geistern, dass dies der krasseste Film seit langem ist … Faye-Herz, was willst du mehr? Stimmt. Nichts! Ich habe das Booklet zur deutschen Sammlerausgabe geschrieben und ich habe Dave Jackson interviewt. Beides für das Filmmagazin DEADLINE. Aber die (möglichst objektive) Rezension wollte ich für das Magazin nicht verfassen, denn das hier wird keine Rezension, das wird eine Liebeserklärung. Ich verorte seit längerem eine neue Empfindsamkeit, die für den notwendigen gesellschaftlichen Paradigmenwechsel gewiss begrüßenswert ist, die ihren Maßstab meiner Meinung nach aber nicht unbedingt (und vor allem uneingeschränkt) dort anlegen sollte, wo wir über Kunst sprechen. Wenn man das dennoch macht, wird man gewiss vieles finden, das einen an CAT SICK BLUES nachhaltig abstößt. Gewalt gegen Tiere, Gewalt gegen Frauen, sexualisierte Gewalt … muss ich noch weitermachen? Selbst wenn ihr vielleicht daran zweifelt, auch ich bin nicht horrorblind für diese Faktoren und ich finde es wichtig, emotional nicht alles unreflektiert zur breiten Masse durchzuwinken. Man sollte selbst entscheiden, ob man derartige Kunst sehen will und in diesem Sinne sollte man auch entsprechend informiert werden. Ich will aber keinesfalls, dass eine Behörde für mich festlegt, was mir persönlich zumutbar ist und genau das wäre beinahe geschehen, denn die Veröffentlichung hatte ziemlich mit der FSK zu kämpfen. Ist CAT SICK BLUES denn gewaltverherrlichend? Nein, das ist dieser Film keinesfalls. Wenn uns etwas an CAT SICK BLUES verletzt, dann ist es die Verzweiflung, die dem Grauen innewohnt. Isolation und Leid definieren das emotionale Spektrum, das diesen Film ausmacht und das schonungslos Gezeigte ruht darüber hinaus auf dem Fundament einer grenzenlosen Leidenschaft. Der Leidenschaft für Horror. Dave Jackson hat Freunde und Auserwählte um sich versammelt. Gemeinsam hauchen sie, mit einer Hingabe, die schlicht und ergreifend an Selbstaufopferung grenzt, seiner Idee dieses fesselnde, zerstörerische Leben ein. Weird Fiction Autor Andrew Gallacher prägt mit seinem literarischen Wahnsinn das Drehbuch nachdrücklich und hat sogar meinen Magen dazu gebracht, sich mindestens einmal ganz gemächlich zu überschlagen. Und dann noch Matthew C. Vaughan! Ich liebe ihn! Er spielt den Catman mit einer unfassbaren und unvergleichlichen Hingabe. Seine Darstellung ist so unmittelbar und echt (verdammt banales Wort für eine derart erstaunliche Leistung, aber genau das trifft es), dass man ihn tatsächlich verteufeln, verabscheuen und fürchten kann und trotzdem transportiert sich der Schmerz dieser gescheiterten Existenz nahezu ungefiltert. Wir leiden mit ihm. Dass diese Figur derart gelungen ist, liegt aber auch daran, dass wir es nicht mit einem Horror-Serienmörder-Abziehbild zu tun haben. Analysiert man den Charakter, erkennt man eine Tiefe, die so abstoßend wie bewegend, aber vor allem auch erschreckend authentisch ist. Wann immer jemand etwas so sehr liebt, wie Dave Jackson Horror und Katzen, ist er dazu berufen, Unverwechselbares zu erschaffen. Aber müssen das dann auch alle anderen lieben? Oh my Bastet, verdammte Katzenkacke, natürlich nicht! CAT SICK BLUES ist das unbequeme Werk eines herzerwärmend sympathischen, aber auch manisch kreativen Geistes und dieser Ausnahmefilm will polarisieren und nicht von allen mit einem liebvollen „war eh ganz süß und halt auch ein bisserl arg“ durchgewinkt werden. Ich gebe unumwunden zu, dass ich mich während des ersten Anschauens auch phasenweise gefragt habe, ob dieser Film womöglich zu eindeutig und vor allem zu bewusst über Belastungsgrenzen hinausgeht, aber ich habe am Ende geweint. Ich finde, das sagt alles. Also vielleicht sprengt CAT SICK BLUES Grenzen und Körper auf, aber genau das soll er auch, und weder Gewaltdarstellung noch Provokation verkommen während dieses Prozesses zum belanglosen Selbstzweck.




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Is CAT SICK BLUES glorifying violence?

No, this film is not at all. And if we are nonetheless hurt while watching it, it is by the despair inherent in the narrative. Isolation and suffering characterize the emotional spectrum that carries this film, and what is shown so unsparingly rests, moreover, on the foundation of a boundless passion. The passion for horror. Weird fiction author Andrew Gallacher makes an emphatic mark on the script with his literary madness, and even made my stomach roll over quite leisurely at least once. And then there's Matthew C. Vaughan! I love him! He plays the Catman with an intangible and unparalleled devotion. His portrayal is so immediate and real (damn trite word for such an amazing performance, but that's exactly what it is) that you can actually demonize him, loathe him, and fear him, and yet the pain of this failed existence conveys itself almost unfiltered.




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